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Wohnen

2026

Der Anspruch der Menschen auf Wohnraum ist ein Grundrecht. Dieses Thema, insbesondere vor dem Hintergrund von bezahlbarem Wohnraum, hat sich in allen wachsenden und boomenden Städten zu einem dramatischen Problem entwickelt. Schnelleres Wachstum als prognostiziert, aber vor allem auch eine verfehlte Grundstückspolitik in den Zeiten, in denen es vermeintlich keine Wohnungsnot gab und Städte dazu übergegangen waren, das Thema Wohnen ausschließlich dem privaten Engagement zu überlassen, haben zu dieser Situation geführt.

Verschärft wurde diese zusätzlich in den Jahren 2015 und 2016 durch den Zuzug von Flüchtlingen. Diese Entwicklung hat sich auch in Regensburg so zugetragen. Die Schönheit der Stadt und die Tatsache, hier gut Arbeit finden zu können, hat zu einem deutlich höheren Bevölkerungszuzug beigetragen, als dieser prognostiziert war. Und auch in Regensburg wurde dem Thema „geförderter Wohnungsbau“ und „eigenes städtisches Engagement“ vor allem in den neunziger Jahren und zu Beginn des neuen Jahrtausends zu wenig Bedeutung beigemessen. Heute ist das Thema „bezahlbarer Wohnraum“ nicht mehr nur für Menschen, die von Sozialtransferleistungen leben oder niedrige Einkommen haben, ein Problem, sondern zunehmend auch für die gesamte Mittelschicht. Verschärft wurde die Situation in den letzten Jahren durch zahlreiche zum Teil wenig sinnvolle bürokratische Vorschriften in Bezug auf die Genehmigungsverfahren, durch neue Vorgaben zu energetischem Bauen, aber auch durch die Hochkonjunkturphase und damit die vollständige Auslastung von am Bau beteiligten Unternehmen.

was wir
schon
erreicht
haben

Bereits in der vergangenen Stadtratsperiode, aber vor allem durch spezielle Aktivitäten unter Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, gab es deutliche Fortschritte in diesem Bereich. Noch nie wurden in Regensburg so viele Baugenehmigungen erteilt wie zu seiner Amtszeit und noch nie wurde so viel neuer Wohnraum, gerade auch im geförderten Bereich, geschaffen. Dennoch hat die bundesdeutsche Haushalts-Durchschnittsgröße von 1,8 Personen dazu geführt, dass im Regelfall nicht einmal der jährliche Zuzug mit Neubaumaßnahmen abgedeckt werden konnte, geschweige denn der Bedarf, der in den Jahren vorher entstanden war. Während neu beschlossene Förderquoten in der letzten Stadtratsperiode zeitweise dafür gesorgt hatten, dass viel geförderter Wohnraum entstanden ist, wurde in der aktuellen Periode diesbezüglich nichts erreicht. 
Unter Joachim Wolbergs wurde die eigene Wohnungsbaugesellschaft, die Regensburger Stadtbau, das entscheidende Instrument der Stadt überhaupt, durch Grundstückseinlagen so stark kapitalisiert, wie zuletzt zu Beginn der neunziger Jahre. Es ist also von Privaten, Genossenschaften, Bauträgern, der eigenen Wohnungsbaugesellschaft, der Stadt selbst und den von ihr verwalteten Stiftungen eine Menge geleistet worden. Dabei war immer von besonderer Bedeutung, dass Akteure der Wohnungswirtschaft nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen, weil neben öffentlichen Fördermaßnahmen in diesem Bereich das Marktgesetz von Angebot und Nachfrage eine zentrale Rolle spielt. Unter Joachim Wolbergs wurde ein Nachverdichtungsprogramm auf den Weg gebracht und neue Areale als sogenannte urbane Gebiete ausgewiesen. Mit dem Kasernenviertel kann die Stadt nun ein neues Projekt „soziale Stadt“ in Angriff nehmen. Leider haben die fehlenden Fördermittel des Freistaates Bayern aber nun dazu geführt, dass kaum mehr geförderter Wohnraum entsteht und das Regensburger Baulandmodell nicht mehr funktioniert.

Deshalb wollen wir:

  • eine Grundstückspolitik, die sicherstellt, dass die Stadt alles in ihrer Macht Stehende dafür tut, möglichst viel an Grundstücken zu erwerben, die potenziell auch in ferner Zukunft als Wohnbaugrundstücke zur Verfügung stehen (Vorkaufsrechte sichern und ausüben).
  • die verstärkte Vergabe von eigenen städtischen Grundstücken auf Erbpachtbasis, aber nicht ausschließlich.
  • die Vergabe von Flächen in aller Regel nur in Form von Konzeptausschreibungen, die insbesondere auch soziale und ökologische Aspekte beinhalten müssen.
  • die Erarbeitung von Richtlinien, die ein gerechtes Abschöpfen von Gewinnen bei Nutzungsänderungen von Grund und Boden sicherstellen, auch um beim Verhandeln von städtebaulichen Verträgen nicht nur vom Verhandlungsgeschick der Beteiligten abhängig zu sein.
  • eine weitere städtebauliche Entwicklungsmaßnahme vorbereiten.
  • neue und unkonventionelle Lösungen insbesondere in Bezug auf das Überbauen von bereits bestehenden versiegelten Flächen - viele ebenerdige Parkplatzflächen eignen sich in diesem Zusammenhang besonders gut.
  • mehr in die Vertikale bauen und ein bestehendes Baulücken- und Nachverdichtungsprogramm überarbeiten und zügig umsetzen.
  • insbesondere Genossenschaften, Bauherrengemeinschaften, aber auch andere Formen von gemeinschaftlichem Bauen verstärkt fördern, insbesondere durch die Schaffung einer Stelle zur Koordinierung von potenziellen Interessenten.
  • die Stadtbau auch in Zukunft mit Grundstücken oder Geld aus dem städtischen Haushalt kapitalisieren, um deren Wohnbauanstrengungen weiter zu steigern. Auch das dafür nötige Personal muss zur Verfügung gestellt werden. 
  • der Stadtbau in Zukunft bei der Frage von Mieterhöhungen oder der Abwälzung von Modernisierungskosten klare Obergrenzen setzen.
  • bei der Stadtbau Wohnraum vorhalten für Menschen in speziellen und besonders problematischen Lebenslagen.
  • bei der Entwicklung von neuen Wohnquartieren immer auch den Quartierscharakter achten. Dazu gehören das Angebot von Mehrgenerationenhäusern, Begegnungsräumen, soziale Angebote in Form von Stadtteilprojekten, eine adäquate Nahversorgung, aber vor allem auch Möglichkeiten für ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger. In diesem Zusammenhang müssen bei allen weiteren Wohnbauentwicklungen diese Formen des Zusammenlebens mitgeplant und entwickelt werden.
  • insbesondere auf dem Gelände der Prinz-Leopold-Kaserne die Planungen zügig umsetzen.
  • am Beispiel des Rahmenplans Nord (Entwicklung eines neuen Wohnquartiers) weitere Flächen zur Wohnraumgewinnung entwickeln.
  • in Gesprächen mit den großen Unternehmen dieser Stadt Möglichkeiten zum Bau von Werkswohnungen eruieren und umsetzen.
  • am Beispiel des sog. „Karlsruher Modells“ gemeinsam mit Privateigentümern durch ein eigenes Förderprogramm Leerstände zur Wohnnutzung bereitstellen.
  • Wohnbebauung durch Private und/oder die Stadtbau auf den Flächen der Notwohnanlagen in der Aussiger-Straße.
  • Wohnbebauung auf dem gesamten Gelände des alten REWAG Gebäudes (Statt einem 3. Rathaus dort) ermöglichen, ebenfalls durch Private und/oder die Stadtbau.
  • Wohnbebauung auf dem Gelände der jetzigen BS III in der Prüfeningerstraße schaffen, durch Private und/oder die Stadtbau. Die BS III werden wir auf einem anderen Grundstück neu bauen.
  • das Baulandmodell überarbeiten bis wieder Fördermittel vom Freistaat Bayern bereitgestellt werden und eine Lösung finden, die Wohnbau ermöglicht und trotzdem für preisgedämpften Wohnraum sorgt. Dafür wollen wir individuelle Vereinbarungen mit potentiellen Bauherren treffen.
  • Verhandlungen mit dem Freistaat Bayern mit dem Ziel, die versiegelten Parkflächen zwischen Universität und FH für studentisches Wohnen zu überbauen.
  • ein Azubi-Wohnheim in Regensburg bauen.
  • barrierefreies Bauen als allgemeinen Standard.
  • die Zweckentfremdungssatzung weiterentwickeln und konsequenter anwenden.