Der Anspruch der Menschen auf Wohnraum ist ein Grundrecht. Dieses Thema, insbesondere vor dem Hintergrund von bezahlbarem Wohnraum, hat sich in allen wachsenden und boomenden Städten zu einem dramatischen Problem entwickelt. Schnelleres Wachstum als prognostiziert, aber vor allem auch eine verfehlte Grundstückspolitik in den Zeiten, in denen es vermeintlich keine Wohnungsnot gab und Städte dazu übergegangen waren, das Thema Wohnen ausschließlich dem privaten Engagement zu überlassen, haben zu dieser Situation geführt.
Verschärft wurde diese zusätzlich in den Jahren 2015 und 2016 durch den Zuzug von Flüchtlingen. Diese Entwicklung hat sich auch in Regensburg so zugetragen. Die Schönheit der Stadt und die Tatsache, hier gut Arbeit finden zu können, hat zu einem deutlich höheren Bevölkerungszuzug beigetragen, als dieser prognostiziert war. Und auch in Regensburg wurde dem Thema „geförderter Wohnungsbau“ und „eigenes städtisches Engagement“ vor allem in den neunziger Jahren und zu Beginn des neuen Jahrtausends zu wenig Bedeutung beigemessen. Heute ist das Thema „bezahlbarer Wohnraum“ nicht mehr nur für Menschen, die von Sozialtransferleistungen leben oder niedrige Einkommen haben, ein Problem, sondern zunehmend auch für die gesamte Mittelschicht. Verschärft wurde die Situation in den letzten Jahren durch zahlreiche zum Teil wenig sinnvolle bürokratische Vorschriften in Bezug auf die Genehmigungsverfahren, durch neue Vorgaben zu energetischem Bauen, aber auch durch die Hochkonjunkturphase und damit die vollständige Auslastung von am Bau beteiligten Unternehmen.
Bereits in der vergangenen Stadtratsperiode, aber vor allem durch spezielle Aktivitäten unter Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, gab es deutliche Fortschritte in diesem Bereich. Noch nie wurden in Regensburg so viele Baugenehmigungen erteilt wie zu seiner Amtszeit und noch nie wurde so viel neuer Wohnraum, gerade auch im geförderten Bereich, geschaffen. Dennoch hat die bundesdeutsche Haushalts-Durchschnittsgröße von 1,8 Personen dazu geführt, dass im Regelfall nicht einmal der jährliche Zuzug mit Neubaumaßnahmen abgedeckt werden konnte, geschweige denn der Bedarf, der in den Jahren vorher entstanden war. Während neu beschlossene Förderquoten in der letzten Stadtratsperiode zeitweise dafür gesorgt hatten, dass viel geförderter Wohnraum entstanden ist, wurde in der aktuellen Periode diesbezüglich nichts erreicht.
Unter Joachim Wolbergs wurde die eigene Wohnungsbaugesellschaft, die Regensburger Stadtbau, das entscheidende Instrument der Stadt überhaupt, durch Grundstückseinlagen so stark kapitalisiert, wie zuletzt zu Beginn der neunziger Jahre. Es ist also von Privaten, Genossenschaften, Bauträgern, der eigenen Wohnungsbaugesellschaft, der Stadt selbst und den von ihr verwalteten Stiftungen eine Menge geleistet worden. Dabei war immer von besonderer Bedeutung, dass Akteure der Wohnungswirtschaft nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen, weil neben öffentlichen Fördermaßnahmen in diesem Bereich das Marktgesetz von Angebot und Nachfrage eine zentrale Rolle spielt. Unter Joachim Wolbergs wurde ein Nachverdichtungsprogramm auf den Weg gebracht und neue Areale als sogenannte urbane Gebiete ausgewiesen. Mit dem Kasernenviertel kann die Stadt nun ein neues Projekt „soziale Stadt“ in Angriff nehmen. Leider haben die fehlenden Fördermittel des Freistaates Bayern aber nun dazu geführt, dass kaum mehr geförderter Wohnraum entsteht und das Regensburger Baulandmodell nicht mehr funktioniert.